Entscheidungshilfe

Was ist ein Headless CMS, und braucht mein Betrieb eines?

Der Begriff steht in der Offerte, erklärt wird er selten. Die Frage dahinter ist nicht technisch: Sie lautet, wie viel Arbeit Sie in drei Jahren ein zweites Mal machen.

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Der Begriff taucht meistens in einer Offerte auf. Irgendwo zwischen den Positionen steht «Headless CMS», niemand erklärt, warum das dort steht, und weil es technisch klingt, fragt auch niemand nach.

Die Frage dahinter ist aber selten technisch. Sie lautet: Muss ich mich damit beschäftigen, oder ist das etwas, das Entwickler untereinander ausmachen?

Teils. Ein Teil davon ist wirklich nur Werkzeug und geht Sie nichts an. Der andere Teil entscheidet darüber, wie viel Arbeit Sie in drei Jahren ein zweites Mal machen.

Was ist ein Headless CMS?

Ein Headless CMS ist ein System, in dem Ihre Inhalte liegen, ohne dass es festlegt, wie sie aussehen. Texte, Preise und Bilder werden dort gepflegt und von aussen abgerufen. Was sie anzeigt, ist eine davon getrennte Sache: eine Website, eine zweite Website, eine App, ein Bildschirm im Laden.

«Headless» heisst wörtlich «ohne Kopf». Der Kopf ist die Darstellung, und die fehlt mit Absicht.

In einem klassischen System ist beides dieselbe Software. Ihre Inhalte liegen in derselben Anwendung, die auch die Seite zeichnet, und die Vorlage bestimmt mit, wie die Inhalte überhaupt aufgebaut sind. Solange sich nichts Grösseres ändert, fällt das nie auf. Es fällt beim ersten Umbau auf.

Was das im Alltag ändert

Ein neuer Auftritt kostet Sie nicht die Inhalte. Beim Umbau bleibt alles Geschriebene bestehen. Neu gebaut wird die Darstellung. Bei einem klassischen Umzug ist genau das der Teil, der die meiste Zeit frisst und am häufigsten unterschätzt wird: jemand trägt Seite für Seite von Hand hinüber.

Sie schreiben einmal, nicht mehrmals. Dieselbe Leistungsbeschreibung kann auf der Website stehen, in einer App auftauchen und auf einem Bildschirm laufen. Sie pflegen eine Fassung, nicht drei, die auseinanderlaufen.

Die Struktur ist verbindlich. Sie bekommen Felder statt einer leeren Seite: eine Leistung hat einen Namen, eine Beschreibung, einen Preis. Das klingt nach weniger Freiheit und ist in der Praxis eine Erleichterung, weil man ein Layout nicht mehr aus Versehen zerlegen kann, indem man Text aus einem Dokument hineinkopiert.

Die Seite kommt fertig an. Weil die Inhalte im Voraus abgerufen und die Seiten vorbereitet werden, muss beim Besuch nichts mehr zusammengesetzt werden. Das merken Besucher, und Suchmaschinen messen es.

Wo der Unterschied offensichtlich wird

margeoma.ch ist eine Reinigungsfirma. Die Website gibt es zweimal: eine klassische Fassung, ruhig und direkt, und eine 3D-Scroll-Geschichte, durch die man sich bewegt. Besucher wählen selbst und können jederzeit wechseln.

Das sind zwei verschiedene Websites, nicht zwei Varianten derselben. An Gestaltung teilen sie sich nichts. Was sie teilen, sind die Inhalte: Leistungen, Ablauf, Pakete, Fragen. Das steht einmal im CMS und erscheint auf beiden.

In einem klassischen System wäre das nicht ein Projekt, sondern zwei. Und nach ein paar Monaten wäre eine der beiden veraltet, weil jemand vergessen hat, eine Änderung zweimal einzutragen. Das ist der eigentliche Punkt: nicht dass es hübscher aussieht, sondern dass die zweite Fassung nicht laufend Arbeit macht.

Wann Sie keines brauchen

Wenn Ihre Seite fünf Seiten hat, sich zweimal im Jahr ändert und auch in drei Jahren noch fünf Seiten haben wird, ist der Unterschied für Sie klein. Dann zahlt sich vor allem der Aufbau nicht aus, den Sie am Anfang leisten.

Wenn Sie mit Ihrem jetzigen System zurechtkommen und es Sie nicht bremst, ist «headless» kein Grund für einen Umbau. Das Wort allein ist kein Qualitätsmerkmal. Es beschreibt eine Bauweise, und die ist nur dann besser, wenn sie zu dem passt, was Sie mit der Seite vorhaben.

Und es nimmt niemandem die Pflege ab. Ein System, in dem Inhalte sauber getrennt liegen, hält Ihre Öffnungszeiten trotzdem nicht von selbst aktuell.

Was Sie fragen sollten, bevor Sie zustimmen

Vier Fragen, und Sie brauchen dafür keinen technischen Hintergrund.

Wie sieht die Bearbeitung aus? Lassen Sie sich den Bildschirm zeigen, an dem Sie sitzen werden, nicht die Architektur dahinter. Wenn Ihnen niemand diesen Bildschirm zeigen mag, ist das die Antwort.

Was passiert, wenn ich in zwei Jahren die Gestaltung ändern will? Sie wollen hören, dass die Inhalte bleiben. Wenn die Antwort «dann ziehen wir alles um» lautet, ist es kein Headless-System, unabhängig davon, wie es genannt wird.

Wie kommen meine Inhalte wieder heraus? Jedes seriöse System kann exportieren. Fragen Sie danach, bevor Sie sich entscheiden, nicht wenn Sie wechseln wollen.

Und: Was kann ich selbst ändern, was nicht? Diese Grenze sollte vor dem Start klar sein und nicht beim ersten Mal auffallen, wenn Sie eine Änderung nicht selbst hinbekommen.

Wenn wir im Gespräch zum Schluss kommen, dass Ihr jetziges System für Ihren Fall reicht, sagen wir das auch. Das kommt vor, meistens bei Seiten, die sich selten ändern, und dann ist es die richtige Antwort.

Häufige Fragen

Ist das nicht einfach WordPress mit anderem Namen?
Nein, und der Unterschied liegt genau an der Stelle, um die es geht. In einem klassischen System gehören Inhalt und Darstellung zusammen, das Theme bestimmt mit, wie die Inhalte aufgebaut sind. Ein Headless CMS kennt keine Darstellung. Es kennt nur, dass eine Leistung einen Namen, eine Beschreibung und einen Preis hat, und gibt das strukturiert weiter.
Kann ich meine Texte dann noch selbst ändern?
Ja, und in der Regel bequemer als vorher. Sie bekommen Felder statt einer leeren Seite: Titel, Beschreibung, Preis, Bild. Was Sie nicht mehr können, ist die Gestaltung aus Versehen zerschiessen, weil die Gestaltung nicht mehr in Ihrer Hand liegt. Für die meisten Betriebe ist das ein Gewinn und kein Verlust.
Ist ein Headless CMS aufwendiger als ein fertiges System?
Am Anfang oft ja, weil die Darstellung gebaut statt ausgewählt wird. Was den Aufwand bewegt, ist die Zahl der Inhaltstypen, ob es Buchung oder Zahlung gibt, wie viele Inhalte übernommen werden müssen und ob die Gestaltung frei oder an eine Vorlage angelehnt ist. Später dreht sich das Verhältnis meistens um, weil Änderungen an der Gestaltung die Inhalte nicht mehr anfassen.
Brauche ich dafür zwei Websites wie im Beispiel?
Nein, das ist nur der Fall, an dem der Unterschied am deutlichsten sichtbar wird. Die meisten Betriebe haben eine Website und behalten eine. Der gleiche Mechanismus wirkt dort beim ersten Umbau, wenn die Inhalte bleiben und nur die Darstellung neu gebaut wird.
Was passiert mit meinen Inhalten, wenn ich den Anbieter wechsle?
Das ist die richtige Frage, und sie sollte vor der Zusage gestellt werden. Inhalte, die strukturiert und getrennt von der Darstellung liegen, lassen sich vollständig exportieren. Lassen Sie sich zeigen, wie dieser Export aussieht, bevor Sie sich für ein System entscheiden, egal für welches.