KI-Automatisierung im KMU: wo sie sich lohnt und wo nicht
Nicht jede Aufgabe gehört automatisiert, und die teuersten Projekte sind die, bei denen niemand vorher gerechnet hat. Ein nüchterner Blick auf das, was tatsächlich funktioniert.
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Die meisten Gespräche über KI im KMU beginnen mit der Technologie und enden ohne Ergebnis. Die nützlicheren beginnen mit einer Liste von Tätigkeiten, die jemand jede Woche macht und die niemand im Betrieb als Kernarbeit bezeichnen würde.
Diese Liste ist der eigentliche Ausgangspunkt. Alles Weitere ergibt sich daraus, auch die Antwort darauf, ob es überhaupt lohnt.
Was sich gut automatisieren lässt
Drei Eigenschaften machen eine Aufgabe zu einer guten Kandidatin.
Sie wiederholt sich. Nicht selten, sondern messbar oft: täglich, oder mehrmals pro Woche. Eine Aufgabe, die viermal im Jahr anfällt, rechnet sich fast nie, egal wie mühsam sie ist.
Sie folgt einer Regel, auch wenn die Regel nirgends steht. Wenn Sie einer neuen Mitarbeiterin in zehn Minuten erklären können, wie es geht, lässt es sich beschreiben. Wenn Sie sagen müssen «das spürt man nach zwei Jahren», dann nicht.
Ein Fehler ist sichtbar und billig. Eine falsch einsortierte E-Mail merkt jemand und korrigiert sie. Eine falsch ausgelöste Zahlung nicht. Der erste Fall eignet sich, der zweite braucht eine Kontrollstufe oder bleibt von Hand.
Was sich schlecht automatisieren lässt
Alles, bei dem die Beurteilung die Arbeit ist. Ein Kundengespräch, in dem entschieden wird, ob ein Auftrag passt. Eine Reklamation, bei der es darum geht, ob jemand recht hat. Eine Offerte, die Erfahrung braucht.
Dazu kommt alles, was selten vorkommt und teuer schiefgeht. Und alles, wo der Aufwand für die Beschreibung grösser ist als der Aufwand für die Tätigkeit selbst. Diesen letzten Punkt unterschätzen fast alle: einen Ablauf so genau aufzuschreiben, dass eine Maschine ihn ausführen kann, ist Arbeit, und sie fällt vorne an.
Die Rechnung, die vor dem Projekt kommt
Sie brauchen keine Studie, sondern vier Zahlen.
- Wie oft fällt die Aufgabe an, pro Woche?
- Wie lange dauert sie, ehrlich gemessen und nicht geschätzt?
- Was kostet die Zeit der Person, die sie heute macht?
- Was kostet die Einrichtung, und was kostet sie laufend?
Punkt 2 ist der, bei dem sich fast jeder täuscht. Messen Sie eine Woche lang mit, bevor Sie rechnen. Wenn die Zahlen danach immer noch aufgehen, haben Sie ein Projekt. Wenn nicht, haben Sie eine Stunde investiert und eine falsche Entscheidung vermieden.
Wo kleine Betriebe tatsächlich anfangen
In der Praxis sind es fast immer dieselben drei Stellen: Anfragen, die einsortiert und beantwortet werden müssen. Daten, die aus einem System in ein anderes wandern, weil die beiden nicht miteinander reden. Und Dokumente, aus denen jemand immer wieder dieselben Angaben abtippt.
Auffällig daran ist, dass zwei der drei gar keine KI-Probleme sind, sondern Integrationsprobleme. Das ist kein Zufall. Bevor sich Automatisierung lohnt, müssen die Systeme, zwischen denen automatisiert wird, überhaupt eine Verbindung haben.
Deshalb ist unsere erste Frage in solchen Projekten nie, welches Modell zum Einsatz kommt, sondern welche Systeme Sie heute benutzen und was zwischen ihnen von Hand passiert.